Interview mit Matthias Harms


Vorsitzender der Geschäftsführung von Veolia Deutschland im Nachhaltigkeitsbericht

 

Wie nehmen Sie Nachhaltigkeit als Anspruch und Herausforderung für Veolia in Deutschland wahr, seit Sie die Funktion des Vorsitzenden der Geschäftsführung Anfang 2019 übernommen haben?

 

Tatsächlich weitet sich der Blick, wenn man aus der Verantwortung für einen Geschäftsbereich in die Rolle des Repräsentanten von Veolia in Deutschland hineinwächst. Strategische Aspekte gewinnen gegenüber den operativen Aufgaben deutlich an Stellenwert. Aber es gilt weiterhin, beides gut miteinander zu verbinden.
 

Unsere Muttergesellschaft hat 2019 den Veolia-Unternehmenszweck veröffentlicht, der in einem aufwändigen Beteiligungsprozess erarbeitet wurde. Gleich im ersten Satz wird darin die Veolia-Mission benannt, “durch einen konsequenten Einsatz für die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung einen Beitrag zum menschlichen Fortschritt zu leisten und so eine bessere und nachhaltigere Zukunft für uns alle zu gestalten.” Das ist wie ich finde ein sehr hoher, bemerkenswerter Anspruch, den sich das Unternehmen stellt. Nachhaltige Entwicklung umfasst ja viele Facetten. Die Veolia-Dienstleistungen zahlen besonders auf die UN-Ziele 6 (Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen), 7 (Bezahlbare und Saubere Energie), 9 (Industrie, Innovation, Infrastruktur), 11 (Nachhaltige Städte und Gemeinden) sowie 12 (nachhaltige/r Konsum und Produktion) ein. Aber auch die anderen UN-Ziele sind für unser Unternehmen relevant. Denken wir nur an Ziel 3 (Gesundheit und Wohlergehen), 5 (Geschlechtergerechtigkeit), 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz) und 17 (Partnerschaften zur Erreichung der Ziele).
 

Wie können wir als Unternehmen zur Erreichung dieser gesamtgesellschaftlichen Ziele beitragen? Das geht nicht mit einem “Weiter so wie bisher”, sondern es braucht Mut zu Neuem … neue Geschäftsmodelle, neue Anreize, neue Kooperationen. Die vor uns allen stehenden Aufgaben sind sehr komplex, in einigen Bereichen treffen wir auf Dilemmata - gefragt ist deshalb auch die Kompetenz zum Aushandeln der besten Lösungen. Das alles natürlich verknüpft mit dem Wunsch nach wirtschaftlichem Erfolg im operativen Geschäft und Schnelligkeit in der Umsetzung. Diesen großen Herausforderungen stellen wir uns. 

 

Lassen Sie es uns doch etwas konkreter betrachten: Welche Beiträge im Sinne der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung konnte Veolia in Deutschland 2019 leisten?

 

Ja, da lassen sich einige Initiativen aus dem zurückliegenden Jahr nennen. Mit unseren Projekten PhosForce zur Rückgewinnung von Phosphor und Stickstoff aus Abwasser sowie LowCapexDryer zur Klärschlammtrocknung sorgen wir dafür, die natürlichen Wasserressourcen in Deutschland zu schonen und Wertstoffe zurückzugewinnen. Durch die Neugestaltung der Energieversorgung in Braunschweig werden Strom und Wärme sauber, klimafreundlich und wirtschaftlich erzeugt. Die Anwendung neuer digitaler Veolia-Lösungen in den Bereichen Sensorik oder Plattformen steigert die Ressourceneffizienz in Industrieunternehmen der Chemie-, Automobil- und Baubranche. Mit dem Schließen des Stoffkreislaufs für PET-Schalen werden sowohl die Nutzung als auch die Produktion solcher Verpackungen nachhaltiger. Ein lokales Nahwärmenetz auf der Basis von Abwärme in einem Wohngebiet zeigt Perspektiven für nachhaltige Städte und Kommunen auf.

Aber auch beim Thema Kooperationen haben wir uns weiterentwickelt. Als Mitglied der Initiative Entrepreneurs For Future treten wir gemeinsam mit rund 4.000 weiteren Unternehmen in Deutschland für bessere Rahmenbedingungen für den Klimaschutz ein. Außerdem sind wir Unterstützer der PREVENT Waste Allianz, weil wir überzeugt sind, dass es Anstrengungen von Akteuren entlang der gesamten Wertschöpfungskette braucht, um in Fragen der Abfallvermeidung und Wiederverwertung von Ressourcen weitere Fortschritte zu erreichen. Schließlich sind wir weitere Kooperationen mit Startups eingegangen - das ist ein wichtiger Lernprozess, um gemeinsam gute Ideen für Nachhaltigkeit groß werden zu lassen.

 

Welche Schwerpunkte setzen Sie für die nachhaltige Entwicklung von Veolia in Deutschland in den kommenden drei Jahren?

 

Veolia hat für die strategische Ausrichtung bis 2023 ein sehr einprägsames Bild gefunden. Wir sprechen für die Entwicklung des operativen Geschäfts von Wäldern, Bäumen und Samen. 
Die Wälder - das sind unsere traditionellen Geschäftsfelder, in denen wir besonders stark sind. Hier wollen wir unsere Präsenz am Markt bewahren. Dazu zählen insbesondere kommunale Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung, lokale Energiekreisläufe, Recycling und Verwertung von festen Abfällen sowie Vor-Ort-Services für Industriekunden.
 

Die Bäume sind tragfähige Geschäftsfelder, in denen wir unsere Möglichkeiten noch nicht ausschöpfen und wir uns weiterentwickeln wollen. In Deutschland zählen hierzu unter anderem die Verwertung organischer Abfälle, Gewinnung von Recyclingrohstoffen aus Elektroaltgeräten und Kunststoffabfällen, Energieeffizienz-Dienstleistungen für Industriekunden sowie Total-Waste-Projekte.
 

Mit den Samen - unseren Innovationen - schaffen wir die Grundlage für zukünftiges Wachstum. Als Schwerpunkte haben wir Gesundheit und neue Schadstoffe, Anpassung an den Klimawandel, neue Materialkreisläufe, Ernährungssicherheit, neue Energiedienstleistungen und Digitalisierung definiert.
 

Über alle Geschäftsfelder hinweg wurden sieben Prinzipien festgelegt, an denen sich unsere Geschäftsentwicklung stets ausrichten soll. Die Prinzipien definieren folgende Ansprüche und Verantwortlichkeiten von Veolia in Deutschland: Effizienz, das Einhalten aller Regeln, Normen und Standards in Bezug auf Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie Ethik und Compliance, stärkere Kundenorientierung, Innovation, die Umsetzung unserer digitalen Roadmap, engere Zusammenarbeit innerhalb des Unternehmens sowie Chancengleichheit, Vielfalt, Beteiligung und hochwertigere Arbeitsbeziehungen für unsere Beschäftigten.
 

Ich meine, dieser “Fahrplan” wird uns dabei helfen, uns als Unternehmen zukunftsorientiert zu entwickeln und zugleich wesentlich zu nachhaltigen Entwicklung in Deutschland beizutragen.


 


 

Informieren Sie sich hier über Berichtszeitraum, Abdeckung des operativen Geschäfts, Redaktionsschluss und Ansprechpartner.
Über das Global Reporting von Veolia verfolgen wir den Fortschritt bei der Zielerfüllung für Veolia in Deutschland.
Hier finden Sie die Broschüre zum Bericht 2019, die DNK-Entsprechenserklärung sowie den Veolia-Unternehmenszweck zum Herunterladen.