Ressourcenkreisläufe nachhaltig managen


Neue Kooperationen

Eine nachhaltige Entwicklung erfordert eine Ressourcenwende durch intelligent designte technische und biologische Kreisläufe und durch ein Maximum an Effizienz und Effektivität beim Material- und Energieeinsatz.
 

Veolia engagiert sich über das operative Geschäft hinaus in zahlreichen Projekten und Initiativen, um den Schutz der Umwelt über eine zukunftsfähige Kreislaufwirtschaft in Deutschland voranzutreiben.

Wir fördern die Sichtbarkeit von Veolia in Deutschland als nachhaltiger Akteur in der Kreislaufwirtschaft.

Veolia Deutschland wurde 2019 assoziiertes Mitglied der PREVENT Waste Allianz, die Akteure entlang der Wertschöpfungskette vernetzt, die sich für die Stärkung und Verbreitung von Lösungen zur Kreislaufwirtschaft einsetzen. Veolia trat außerdem der Initiative Entrepreneurs For Future bei, welche Kreislaufwirtschaft als wichtigen Hebel für Klimaschutz voranbringen möchte. Des Weiteren initiierte das Unternehmen eine Fokusgruppe Kreislaufwirtschaft im UPJ-Unternehmensnetzwerk, wirkte im Rezyklat-Forum mit und nutzte die Leitmesse für Kunststoff- und Kautschukindustrie zur Präsentation seines Know-hows in der Herstellung recycelter Rohstoffe.

Entrepreneurs for Future

Veolia Deutschland ist der Initiative Entrepreneurs for Future beigetreten, die sich in Anlehnung an die Schülerbewegung Fridays for Future für mehr Klimaschutz einsetzt. Die Initiative fordert unter anderem klimapolitische Planungssicherheit, eine wirksame und ansteigende CO2-Bepreisung sowie die Stärkung der Kreislaufwirtschaft durch Fest- und Durchsetzung von Rücknahme-, Recycling-, Wiederverwertungsquoten. Die Vielfalt der Unternehmen, die die Forderungen unterzeichnet haben, zeigt, wie breit heute Klimaschutz in der Wirtschaft verankert ist. Neben klassischen Großunternehmen gehören auch namhafte Mittelständler, zahlreiche „hidden champions“ sowie Start-ups zu den Unterzeichnern.

Rezyklat-Forum

Als Mitglied des Rezyklat-Forums setzt sich Veolia Deutschland gemeinsam mit rund 30 Händlern, Herstellern, Entsorgern und Verpackungsherstellern für die Vermeidung und Reduzierung von Kunststoffverpackungen, höhere Recyclingquoten und den stärkeren Einsatz von Rezyklaten ein. Das von der Drogeriemarktkette dm initiierte Rezyklat-Forum wurde vom Rat für Nachhaltige Entwicklung und dem Netzwerk RENN (Regionale Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien) als „Projekt Nachhaltigkeit 2019“ ausgezeichnet.

Innovatives Recycling

Auf der K 2019, der Leitmesse für die Kunststoff- und Kautschukindustrie in Düsseldorf, zeigte Veolia, wie durch innovatives Recycling hochwertige recycelte Rohstoffe gewonnen werden können. Die vielfältige Einsetzbarkeit dieser Recyclingrohstoffe bietet viele Ansatzpunkte dafür, bei der Herstellung von Produkten wirksam Ressourcen zu schonen und Treibhausgase zu reduzieren.

Die Dienstleistungen von Veolia dienen dazu, Wertstoff-, Energie- oder Wasserkreisläufe nachhaltig zu managen.
 

Knapp 30 Prozent des Umsatzes (500 Millionen Euro) erbrachte Veolia Deutschland 2019 bereits im Bereich der Kreislaufwirtschaft. Künftig sollen die Geschäftsvolumen weiter stetig steigen.

Wir steigern den Anteil unseres Umsatzes im Bereich Kreislaufwirtschaft um jährlich fünf Prozent.


 


 

Geschäftsbereich Entsorgung

 

Geschäftsbereich Entsorgung

Abfälle zu vermeiden, sie ohne Gefährdungen für die Umwelt zu entsorgen, den größtmöglichen Anteil zu recyceln und wieder als Ressource bereitzustellen –
das sind die Erwartungen der Stakeholder von Veolia an den Geschäftsbereich Entsorgung.
 

Für das Managen von Wertstoffkreisläufen verfügt Veolia über besondere Kompetenz darin, dezentrale Abfallströme effizient zusammenzuführen und durch spezifische Aufbereitungsprozesse in recycelte Rohstoffe umzuwandeln.
 

Um die Kunden dabei zu unterstützen, die Umweltauswirkungen ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit zu verringern, hat Veolia im Geschäftsbereich Entsorgung besonders wirksame Instrumente in der Hand, insbesondere mit

  • der Schaffung eines reibungslosen Zugangs zu Entsorgungsleistungen,
  • der Einsparung von Treibhausgasemissionen durch Bereitstellung recycelter Rohstoffe und
  • der Kooperation entlang der Wertschöpfungskette zum Schließen von  Stoffkreisläufen.
     

Die vom Geschäftsbereich Entsorgung behandelten Abfälle einschließlich gehandelter Mengen beliefen sich 2019 auf 3,2 Millionen Tonnen. Er verfügt über bundesweit 65 Standorte zur Abfallverwertung und -behandlung. Die behandelten Abfälle wurden zu 93 Prozent stofflich oder energetisch verwertet. Die Materialrückgewinnungsquote der Sortieranlagen betrug 99 Prozent. Aus den Sortierresten wurden rund 706.000 Tonnen Ersatzbrennstoffe gewonnen.

Wir vermeiden CO2-Emissionen bei unseren Kunden.

Veolia Deutschland hat 2019 Treibhausgas-Emissionen von rund 1,6 Millionen Tonnen CO2e vor allem durch die Sortierung und das Recycling von Abfällen vermieden.

Das Potenzial für Recycling kann durch eine bessere Trennung von Reststoffen durch die Verbraucher wirkungsvoll gesteigert werden. Aus diesem Grund setzt sich Veolia mit verschiedenen Kampagnen für eine bessere Mülltrennung ein. Aktuelles Beispiel ist die Kampagne „Mülltrennung wirkt“ der Dualen Systeme.   Veolia besitzt großes Know-how im Hinblick auf Sammlung, Aufbereitung und Recycling von Abfällen und setzt es für große Wertstoffmengen wie beispielsweise Altpapier, aber auch für kleinere, nicht weniger bedeutsame Abfallströme ein. So verarbeitet Veolia jährlich rund eine Milliarde PET-Einwegflaschen in der Aufbereitungsanlage in Rostock zu lebensmitteltauglichen PET-Flakes. Diese werden direkt in den Produktionsprozess zur Herstellung neuer Flaschen zurückgeführt, womit der Einsatz von Rohöl sowie Treibhausgasemissionen verringert werden. Veolia betreibt in Deutschland außerdem eine der modernsten Kühlgeräte-Recyclinganlagen Europas und produziert Kompost aus Bioabfall und Grünschnitt, um nur einige Aktivitäten hervorzuheben.

Wir verbessern Recyclingtechnologien und unterstützen die Rückführung recycelter Rohstoffe in Produktionsprozesse.

Um stets den umweltbezogenen Anforderungen der Kunden umfassend gerecht zu werden, entwickelt Veolia die Recyclingtechnologien kontinuierlich weiter. So wurde im Berichtszeitraum 2018/2019 in die Modernisierung von Sortieranlagen, z. B. in Rostock, sowie in die Erweiterung von Anlagen, z. B. in Hannover, investiert.
 

Ein weiterer Schwerpunkt von Veolia im Berichtszeitraum war es, die Verwertungsprozesse gemeinsam mit den Partnern des Unternehmens weiter zu verbessern und die Rückführung recycelter Rohstoffe in Produktionsprozesse zu unterstützen. So gehört Veolia zu den Mitbegründern der Industrievereinigung Repowering, Demontage und Recycling (RDRWind e. V.), die Akteure entlang der Wertschöpfungskette von Windkraftanlagen zusammenbringt. Gemeinsam mit dem Spezialisten für Kunststoffverpackungen PACCOR entwickelte Veolia in Deutschland das  Kooperationsprojekt PET-Schalen-Recycling. Initiiert wurde außerdem „Hamburgs Wertstoff Innovative“, um zusammen mit Partnern aus Wirtschaft, Handel und Wissenschaft regional den Wertstoffkreislauf zu verwirklichen. Darüber hinaus hat Veolia im Berichtszeitraum im Rahmen des Programms U-START mehrere Kooperationsprojekte mit Start-ups im Bereich Kreislaufwirtschaft angestoßen beziehungsweise weiterentwickelt, so beispielsweise im Bereich des Recyclings von Batterien und Photovoltaik-Anlagen.
 


 

Einsparungen beim Ausstoß von Treibhausgasen bei MultiPet und Multiport

Bereits zum fünften Mal hat die Hochschule Magdeburg-Stendal 2018 in einer Untersuchung die Einsparungen beim Ausstoß von Treibhausgasen bei MultiPet und Multiport, zwei Unternehmen der Veolia-Gruppe, ermittelt: Durch das Recycling von Kunststoffabfällen aus PET-Behältern und die Herstellung von PET-Flakes (MultiPet) sowie durch die Aufbereitung von Kunststoffabfällen (Multiport) werden primäre Ressourcen eingespart, aber auch Treibhausgas-Emissionen verringert. MultiPet konnte, bezogen auf den gesamten Output von 30.360 Tonnen Flakes im Geschäftsjahr 2018, rund 66.904 Tonnen CO2e einsparen. Multiport hat, bezogen auf den gesamten Output von 27.355  Tonnen HDPE-Regranulat im Geschäftsjahr 2018, 38.095 Tonnen CO2e eingespart.

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Schließen des Recycling-Kreislauf von PET-Schalen

Im Berichtszeitraum erprobte MultiPet GmbH zusammen mit der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e. V. das Schließen des Recycling-Kreislaufs von PET-Schalen. Die Schalen, welche vor allem zur Verpackung von frischen Lebensmitteln verwendet werden, galten bisher nicht als recyclingfähig. Nun wurden in einer Sortieranlage für Verpackungsabfälle zunächst aus der gemischten PET-Fraktion die Flaschen von den Schalen getrennt, nachfolgend das Monolayer-PET heraussortiert und dieses schließlich zu Flakes verarbeitet. Der Verpackungshersteller PACCOR nutzt die Flakes für die Produktion von PET-Schalen aus vollständig recycelter PET-Folie. Partnerschaftlich wird das Verfahren weiter optimiert und damit die Grundlage für die Sortierung und stoffliche Verwertung von PET-Schalen geschaffen.

Geschäftsbereich Energie


Geschäftsbereich Energie

Mit Produkten und Dienstleistungen zum zukunftsorientierten Management von Energiekreisläufen begleitet Veolia Kunden auf dem Weg in eine ressourceneffiziente und kohlenstoffarme Energieversorgung.
 

Im Mittelpunkt stehen dabei Lösungen, die die Energieeffizienz steigern und den Einsatz fossiler Brennstoffe verringern.

Über Beteiligungen an Stadtwerken und weiteren dezentralen Anlagen hat Veolia Deutschland 2019 insgesamt rund 1,78 Millionen Megawattstunden Energie (Strom und Wärme) erzeugt. Der Anteil erneuerbarer oder alternativer Energieerzeugung belief sich 2019 mit 9,31 Prozent wie die Erzeugung selbst auf etwa gleichbleibendem Niveau.

Wir reduzieren eigene CO2-Emissionen.

Veolia Deutschland hat 2019 die leistungsbezogenen Treibhausgas-Emissionen um rund 210.000 Tonnen CO2e reduziert, insbesondere durch den Einsatz von Kraft-Wärme-Kopplung. Die gesamten direkten Treibhausgas-Emissionen von Veolia Deutschland belaufen sich 2019 auf 608.000 Tonnen CO2e.
 

Herausragende Bedeutung insbesondere für den Klimaschutz hatte im Berichtszeitraum der Start des Projekts Dekarbonisierung in Braunschweig, in dessen Rahmen die Strom- und Wärmeversorgung der Stadt bis 2022 auf Kohle verzichtet und stattdessen zukunftsorientiert auf der Basis von Biomasse und Erdgas erfolgt. Mit den sogenannten Energieeffizienz-Quartieren schuf Veolia darüber hinaus in weiteren Stadtteilen und Industriegebieten dezentrale, ressourcenschonende und kostensparende Versorgungslösungen. Weitergeführt wurde im Berichtszeitraum 2018/2019 das über das Programm Horizon 2020 finanzierte Projekt ReUseHeat. Außerdem gehören Naturstromprodukte und atomstromfreie Stromprodukte selbstverständlich zum Portfolio der Veolia-Stadtwerke.
 


 

Modernisierung der Energieerzeugung der Stadt Braunschweig

BS|Energy, größte Stadtwerkebeteiligung von Veolia Deutschland, investiert ab 2019 220 Millionen Euro in die Modernisierung der Energieerzeugung der Stadt Braunschweig. Bis Ende 2022 sollen ein Biomasse- und ein Gasturbinen-Heizkraftwerk fertiggestellt sein. In dem Biomasse-Heizkraftwerk, mit dem die Wärmegrundlast sichergestellt werden soll, wird Altholz aus einem Umkreis von rund 250 Kilometern zum Einsatz kommen. Das erdgasbetriebene Gasturbinen-Heizkraftwerk kann, anders als die Biomasse-Anlage, in sehr kurzer Zeit hoch- und heruntergefahren werden, weshalb es vor allem in der kalten Jahreszeit flexibel zum Zuge kommen wird, wenn der Energiebedarf hoch ist. Das Kohle-Heizkraftwerk wird vom Netz gehen, womit ein wichtiger Schritt zur Dekarbonisierung der Energieversorgung der Stadt vollzogen wird. Die neuen Heizkraftwerke werden den Ausstoß von Treibhausgasen und Schadstoffen deutlichen senken. So wird der gesetzliche Grenzwert für die Treibhausgas-Emissionen künftig um die Hälfte unterschritten, der von Staubemissionen um 92 Prozent.

Wärmeprojekt im Braunschweiger Neubaugebiet „Heinrich der Löwe“

Im Braunschweiger Neubaugebiet „Heinrich der Löwe“ realisierte Veolia mit BS|Energy  im Berichtszeitraum 2018/2019 ein einzigartiges Wärmeprojekt: Um die rund 600 entstehenden Wohneinheiten mit Wärme zu beliefern, errichteten die beiden Unternehmen ein Nahwärmenetz, das die Abwärme eines benachbarten Rechenzentrums nutzt. Das Energieeffizienz-Quartier ist Teil der EU-geförderten Pilotreihe ReUseHeat zur Nutzbarmachung von Abwärme im städtischen Raum und erhält auch international Aufmerksamkeit.

Industrieparks Oberbruch

Als Betreiber des Industrieparks Oberbruch wird Veolia künftig die Abwärme des dort ansässigen Carbonfaser-Herstellers Teijin Carbon Europe nutzen und damit Treibhausgas-Emissionen von rund 1.500 Tonnen CO2e jährlich einsparen. Bei den thermischen Produktionsprozessen von Teijin fällt eine große Menge an Abwärme an, die bisher ungenutzt an die Umgebung abgegeben wurde. Nun sollen am Standort Heinsberg-Oberbruch eine Carbonfaser-Produktionsanlage umgebaut und rund 1.500 Kilowatt Abwärme pro Jahr in das Warmwassernetz von Veolia eingespeist werden, mit dem die ansässigen Industriebetriebe versorgt werden. Zudem will Teijin die Abwärme zur Beheizung firmeneigener Räumlichkeiten nutzen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unterstützt das Projekt in Höhe von 50 Prozent der förderfähigen Kosten.

Geschäftsbereich Wasser


Geschäftsbereich Wasser

Wasser als lebenswichtige Ressource zu bewahren ist auch in Deutschland eine kontinuierliche Herausforderung.
 

Die Wertschöpfungskette des Geschäftsbereichs Wasser von Veolia reicht vom Schutz der natürlichen Wasservorkommen über eine verlässliche Versorgung mit Trinkwasser in höchster Qualität, die umweltfreundliche und wirtschaftliche Entsorgung und Reinigung von Abwasser bis hin zur Verwertung von Klärschlamm und darin enthaltener Wertstoffe sowie der Instandhaltung und Optimierung von Wasserinfrastrukturen.
 

Veolia Deutschland nutzt zur Gewinnung beziehungsweise Aufbereitung von Trinkwasser in Abhängigkeit von den regionalen Gegebenheiten und unter Abwägung wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Aspekte sowohl Oberflächengewässer als auch Grundwasser oder Fernwasser. Bei der Reinigung von Abwasser werden sämtliche Grenzwerte eingehalten, vielfach sogar unterschritten. Das gereinigte Wasser wird in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt. Veolia sorgt für die kontinuierliche Instandhaltung von Wasserinfrastrukturen, um Wasserverluste auf dem Weg zum Kunden auf ein ökologisch und ökonomisch vertretbares Mindestmaß zu reduzieren. Den Schutz der wertvollen Ressource Wasser, auch durch die Bewahrung eines gesunden natürlichen Umfelds der Quellen, in denen es gewonnen wird, versteht das Unternehmen als Teil seines Versorgungsauftrags.
 

Der Geschäftsbereich Wasser betreibt in Deutschland 40 Wasserwerke und speiste 2019 rund 57,4 Millionen Kubikmeter Trinkwasser ins Versorgungsnetz ein. Für die Trinkwasseraufbereitung wurden 2019 rund 22,5 Millionen Kubikmeter Grundwasser und rund 36 Millionen Kubikmeter Fernwasser genutzt. Die spezifischen realen Netzverluste im Trinkwasserbereich betrugen 2019 rund 3,3 Kubikmeter pro Kilometer pro Tag.
 

Bei der Abwasserbehandlung verzeichnete Veolia einen gleichbleibend hohen Reinigungsgrad der Großkläranlagen, der 2019 mit einem Biologischen Sauerstoffbedarf (BSB5) von 99,5 Prozent und einen Chemischen Sauerstoffbedarf von 97,9 Prozent bemessen wurde. 2019 konnten 11.114 Millionen Kubikmeter behandeltes Abwasser einer Wiederverwendung zugeführt werden. Der Klärschlamm wurde im Berichtszeitraum an allen Standorten zu 100 Prozent wiederverwertet. Im Bereich der Abwasserbehandlung gab es im Berichtszeitraum zusätzliche Herausforderungen für Veolia-Kunden aufgrund veränderter gesetzlicher Rahmenbedingungen wie der Verpflichtung zur Rückgewinnung von Phosphor, der Einschränkung landwirtschaftlicher Ausbringung von Klärschlamm sowie eines verstärkten Engagements für den Klimaschutz. Das Unternehmen verfügt mit seinem Portfolio an Dienstleistungen über besonders wirksame Hebel, um diesen ökologischen Anforderungen gerecht zu werden, insbesondere durch

  • ein Verfahren zur Rückgewinnung von Wertstoffen aus dem Abwasser,
  • innovative Entsorgungskonzepte für Klärschlamm,
  • die energetische Optimierung von wasserwirtschaftlichen Anlagen.

 

Phosphorrecycling in Kläranlagen

Im Rahmen des europäischen Projekts PhosForce entwickelt Veolia seit 2018 ein effizientes Verfahren zum Phosphorrecycling in Kläranlagen. Es wird durch den EU-Partner EIT RawMaterials gefördert. Das Verfahren kann das im Abwasser enthaltene Phosphor in der Kläranlage zurückgewinnen, die Anforderungen der neuen Klärschlammverordnung erfüllen und dabei lokal und umweltfreundlich Ressourcen schonen. Veolia möchte die PhosForce-Pilotanlage so optimieren, dass man bis zu 70 Prozent des im ungetrockneten Klärschlamm enthaltenen Phosphors extrahieren kann.

Innovative und ressourcenschonende Anlage in Braunschweig

2019 wurde in Braunschweig eine innovative und ressourcenschonende Anlage eröffnet. Sie besteht aus einer Thermodruckhydrolyse, einer MAP-Fällungsanlage sowie einer Stickstoffsstrippungsanlage. Diese Kombination erlaubt einerseits eine Entlastung der Prozessen bei den Parametern Phosphor und Stickstoff und somit eine Reduzierung  der Abwasseremissionen und andererseits eine Rückgewinnung und lokale Wiederverwertung  von Phosphor und Stickstoff. Gleichzeitig wird mithilfe der Thermodruckhydrolyse der Vergärungsprozess verbessert, mehr Klärgas zur energetischen Verwertung produziert und die Klärschlammmenge reduziert.

Neuartigen Trocknungstechnik des Klärschwamms

Die herkömmliche Verwertung von Klärschlamm ist kostenintensiv und erzeugt hohe Treibhausgas-Emissionen durch den Transport. Seit 2018 bietet Veolia dank einer neuartigen Trocknungstechnik die Möglichkeit, Klärschlamm ohne anfallendes Kondensat und aufwendige Abluft- und Wasserbehandlungen effizient zu trocknen. Als Brennstoffe dienen Kompost-Siebreste und Altholz. Mithilfe eines Biomassekessels wir genügend Wärme produziert, um jährlich bis zu 12.000 Tonnen Klärschlamm zu über 90 Prozent zu trocknen. Die erste Trocknungsanlage wurde 2018 in Hahnbach (Bayern) in Betrieb genommen. Hier werden durch den Einsatz des Verfahrens jährlich 3.300 Tonnen Treibhausgas-Emissionen gespart. Eine weitere dezentrale Anlage wird in Boxberg errichtet und bis 2020 in Betrieb genommen. Dabei wird die nicht voll ausgenutzte Dampfwärme eines Kraftwerks für die Klärschlammtrocknung verwendet.

Kläranlage Schönebeck energieautark durch systematische Verwertung energiereicher Abfälle

Dank eines innovativen Konzepts zur systematischen Verwertung energiereicher Abfälle (Co-Substrate wie z. B. Fette) aus der Region ist die von Veolia Wasser Deutschland betriebene Kläranlage Schönebeck (Elbe), einst einer der größten Energieverbraucher in der Stadt, heute energieautark. In der Kläranlage wurden eine separate Annahmestelle, ein Zwischenlager für Co-Substrate und 2019 eine Anlage zur Aufkonzentrierung von Fett eingerichtet. Seitdem steigt die angelieferte Menge und damit der Anteil umweltfreundlich erzeugter Energie stetig. 2018 wurden 7.424 Kubikmeter Fett angenommen. In der Gesamtbilanz eines Jahres ist die Anlage dank der eigenen Energieerzeugung stromautark; zuweilen produziert sie sogar mehr Strom, als für den Anlagenbetrieb nötig ist. Schon allein durch die Klärgasverwertung wird in den beiden in der Kläranlage Schönebeck befindlichen Blockheizkraftwerken Strom und Wärme erzeugt. Die gezielte Zugabe von Co-Substraten verbesserte die Ausbeute deutlich.

Klimaschutzteilkonzept für die Wasserversorgung Bayrischer Wald

Gefördert durch die nationale Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums hat die Wasserversorgung Bayerischer Wald „Waldwasser“ 2018 die energetischen Potenziale ihrer Anlagen und Dienstleistungen untersuchen lassen. Die Erarbeitung eines Klimaschutz-Teilkonzeptes erfolgte durch Veolia Wasser Deutschland (vormals OEWA Wasser und Abwasser) und ÖKOTEC Energiemanagement. Dabei wurden erhebliche Einsparpotenziale im Strom- und Gasverbrauch und somit zur Senkung der Treibhausgas-Emissionen von jährlich 75 Tonnen CO2e identifiziert.

Die Vermeidung von Schadstoffeinträgen in die Umwelt war in der Wesentlichkeitsanalyse als bedeutende Anforderung der Interessengruppen von Veolia herausgearbeitet worden. Im Berichtszeitraum legten Öffentlichkeit und Kunden des Geschäftsbereichs Wasser besonderes Augenmerk auf das Thema Mikroplastik. Über Kooperationsprojekte setzt sich Veolia dafür ein, das Wissen um die spezifischen Risiken zu erweitern und bei Bedarf gezielte Maßnahmen in enger Zusammenarbeit mit den Kunden vorzubereiten.

Forschungsprojekt REPLAWA

Zusammen mit dem Abwasserverband unterstützt die Stadtentwässerung Braunschweig (SE|BS), Tochtergesellschaft von BS|Energy, das Forschungsprojekt REPLAWA zur Verringerung des Eintrags von Plastik in Gewässer, durchgeführt unter anderem vom Institut für Siedlungswasserwirtschaft der Technischen Universität Braunschweig. Das Projekt dient dazu, den Verbleib von Plastik in Abwasser und im Klärschlamm von Großkläranlagen zu untersuchen und die Mengen von Mikroplastik sowie dessen Verortung im Klärwerk zu ermitteln. Außerdem werden die Verregnungsgebiete in der Umgebung analysiert und es wird der Mikroplastikanteil bei Flächen mit oder ohne Klärschlammdüngung anhand von Bodenproben verglichen. SE|BS stellt dafür mit dem Abwasserverband Braunschweig eine Versuchsanlage im Klärwerk Steinhof sowie Anlagentechnik zur Verfügung und unterstützt das Projekt bei der täglichen Überwachung. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das REPLAWA-Projekt, das noch bis Ende des Jahres 2020 läuft.