Elektroschrott entsorgen für mehr Ressourcenschutz

Elektroschrott ist eines der am schnellsten wachsenden Entsorgungsprobleme unserer Zeit. Alte Smartphones, defekte Laptops, ausgediente Küchengeräte, jeden Tag landen tonnenweise elektronische Geräte in den Mülltonnen. Doch hier beginnt bereits das Problem: Viele wissen gar nicht, wie Elektroschrott richtig entsorgt wird, welche Gefahren darin lauern, und warum eine fachgerechte Vorbehandlung so wichtig ist.

Daniel Marsand vor einem Haufen Elektroschrott

Elektroschrott darf niemals in den Hausmüll oder AzV!

Elektroschrott ist tückisch. Auf den ersten Blick sieht ein alter Computer oder ein kaputtes Handy aus wie normaler Müll. In Wirklichkeit enthält Elektroschrott wertvolle Rohstoffe wie Gold, Silber, Kupfer und seltene Erden. Gleichzeitig birgt er erhebliche Gefahren. Giftige Stoffe wie Quecksilber, Blei und Cadmium können bei unsachgemäßer Entsorgung in Böden und Gewässer gelangen und massive Umweltschäden anrichten.

Hinzu kommt: Nicht alles, was elektronisch ist, darf in die gleiche Entsorgung. Im Elektro- und Elektronikgerätegesetzes, kurz ElektroG, ist die Entsorgung von Elektroschrott und dessen Recycling geregelt. Werfen Sie ihn niemals in den Hausmüll oder AzV, sondern lassen Sie ihn separat von einem Dienstleister wie Veolia entsorgen oder bringen Sie ihn zum Wertstoffhof.

Wir haben mit einem Experten über die Entsorgung von Elektroschrott gesprochen: Daniel Marsand ist der Betriebsleiter unserer Elektroschrottvorbehandlungsanlage in Rostock.


Hallo Daniel, was versteht man unter Elektroschrott und welche Geräte fallen darunter?

Daniel: Unter Elektroschrott fallen alle ausgedienten Geräte, die für ihren Betrieb Strom benötigen, deren Funktion nicht mehr gegeben ist und die entsorgt werden sollen.

Von klassischen Haushaltskleingeräten wie Wasserkochern oder Ladegeräten über Unterhaltungselektronik wie Lautsprecherboxen bis hin zu Computern oder Labortechnik ist alles dabei.

Warum ist die fachgerechte Entsorgung von Elektroschrott so wichtig?

Daniel: Dafür gibt es zwei wesentliche Gründe: den Schutz von Mensch und Umwelt sowie die Ressourceneffizienz. Viele Elektroaltgeräte enthalten gefährliche Stoffe wie Quecksilber und Blei. Werden diese Geräte einfach im Hausmüll oder in der Natur entsorgt, können diese Gifte austreten und Luft, Böden und das Grundwasser schwer verunreinigen.

Auf der anderen Seite gewinnen wir durch Elektroschrott wertvolle Ressourcen zurück. Sogar intakte Mikrochips und andere Bauteile können ausgebaut und im Sinne des „Reusing“ direkt wieder in neuen Geräten verbaut werden. Das schont Primärressourcen und spart CO₂.

Wie läuft der Prozess in deiner Elektroschrottvorbehandlungsanlage konkret ab?

Daniel: Der Prozess beginnt mit der Sortierung. Wenn die Geräte nicht bereits vorsortiert bei uns ankommen, teilen wir sie im ersten Schritt in die gesetzlich vorgeschriebenen Sammelgruppen auf. Dazu gehören Kühlgeräte, Bildschirme und Monitore, Lampen, Haushaltsgroßgeräte, Haushaltskleingeräte unter 50 cm Kantenlänge sowie Photovoltaikanlagen.

Nehmen wir als Beispiel die Erstbehandlung eines alten Computers: Zuerst entfernen wir das Gehäuse. Danach bauen unsere Mitarbeiter in präziser Handarbeit die einzelnen Komponenten aus – also Lüfter, Festplatte, Laufwerk, Arbeitsspeicher (RAM), Prozessor (CPU), Grafikkarten und die Hauptplatine. Nach dieser kompletten Zerlegung werden die Teile in die entsprechenden Fraktionen aufgeteilt. Einige gehen in die stoffliche Verwertung, während hochwertige Bauteile wie Prozessoren direkt in die Wiederverwendung (Reusing) gehen. Dieser gesamte Prozess für einen PC dauert etwa 20 Minuten. Pro Mitarbeiter schaffen wir so am Tag etwa 20 bis 30 Geräte.

Wie stellen Sie sicher, dass dabei gefährliche Stoffe sicher entfernt werden?

Daniel: Unsere Mitarbeiter arbeiten unter strengen Arbeitsschutzmaßnahmen und wissen genau, worauf sie achten müssen.

Ein gutes Beispiel sind Kühlschränke, die oft noch schädliche Kühlmittel enthalten. Hier öffnen unsere Kollegen in Hannover die Kältemittelkompressoren extrem vorsichtig und saugen das Kältemittel vollständig ab. Anschließend wird der Rest entweder recycelt oder in die thermische Verwertung gegeben.

Welche wertvollen Rohstoffe können im Prozess zurückgewonnen werden?

Daniel: Eine ganze Menge! Wir gewinnen wertvolle Edelmetalle wie Gold und Silber zurück, die vor allem auf Platinen verbaut sind. Dazu kommen klassische Metalle wie Kupfer, Aluminium und Eisen sowie verschiedene Kunststoffe und Glas. Vieles an einem modernen Elektrogerät kann heute wieder in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt werden.

Wie kann die Recycling-Quote für Elektroschrott noch weiter verbessert werden?

Daniel: Hier müssen wir an zwei Stellschrauben drehen. Erstens: Wir müssen die Bürgerinnen und Bürger noch besser sensibilisieren, damit defekte Geräte überhaupt erst den Weg zu den Wertstoffhöfen finden und nicht im Keller verstauben oder im Restmüll landen.

Zweitens müssen wir den Umschlag auf den Wertstoffhöfen verbessern. Dort wird leider oft noch mit schwerem Gerät wie Baggern gearbeitet. Dadurch werden die Altgeräte oft massiv beschädigt und so die Ressourcen unbrauchbar.

Wie sollten Unternehmen ihren Elektroschrott am besten sammeln und lagern?

Daniel: Unternehmen sollten Elektroschrott unbedingt separat sammeln – am besten direkt nach den verschiedenen Sammelgruppen sortiert. Ganz wichtig ist eine trockene Lagerung der Geräte. Und auch hier gilt: Bitte keinen Umschlag mit schwerer Technik! Wer die Geräte pfleglich behandelt, sichert die Qualität der Rohstoffe für das spätere Recycling.


Was war das interessanteste Gerät, das jemals bei euch in der Anlage gelandet ist?

Daniel: Mein absolutes Highlight war ein Auto-Simulator vom TÜV, der früher zur Überprüfung der Fahrtauglichkeit genutzt wurde. Der hat uns technisch sehr fasziniert.

Danke Daniel für das informative und spannende Gespräch!

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