← zurück zur VEOLUTIONS Startseite
📅 Veröffentlicht: 02. März 2026
Zwischen Kostendruck, Investitionsbedarf und verschärften EU-Vorgaben stehen kommunale Betreiber vor einer essenziellen Frage: Wie lassen sich neue Grenzwerte sicher einhalten, ohne die Betriebskosten ausufern zu lassen? Moderne Digital-Messtechnik ermöglicht eine präzise, datenbasierte Echtzeit-Steuerung der Prozesse – wirtschaftlich, transparent und regulatorisch belastbar. Veolia entwickelt und implementiert dafür praxiserprobte Lösungen, die Gewässerschutz und Betriebssicherheit nachhaltig verbinden.
Saubere Seen und Flüsse sind kein Selbstzweck, sondern Ausdruck verantwortungsvoller kommunaler Daseinsvorsorge. Entscheidend ist, regulatorische Anforderungen mit einem stabilen, wirtschaftlichen Anlagenbetrieb in Einklang zu bringen. Es braucht kluge, praxisnahe und bezahlbare technische Lösungen. Und die gibt es.
Die Veolia Wasser Deutschland GmbH hat gemeinsam mit Endress+Hauser eine bedarfsgerechte und automatisierte Fällmitteldosierung für die Kläranlage in Colditz (Sachsen) entwickelt. Eine Lösung, die auch andernorts einsetzbar ist und hilft, Ressourcen, Kosten und vor allem Grenzwerte jederzeit zuverlässig im Blick zu behalten.
Neue EU-Richtlinie fordert Kläranlagen heraus
Seit Januar 2025 gelten europaweit strengere behördliche Vorgaben für den Schutz der Gewässer. Die Europäische Union hat ihre Kommunalabwasserrichtlinie, kurz KARL, überarbeitet. Ein Gesetzesrahmen, der nicht zuletzt die Betreiber kommunaler Kläranlagen vor deutlich höhere Anforderungen stellt. Die Abwasserreinigung muss zwangsläufig weiter optimiert werden. Und die Zeit drängt: Bis Juli 2027 müssen alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union KARL in nationales Recht umsetzen – eine riesige Herausforderung für die handelnden Unternehmen und gleichzeitig eine Chance, die Gewässer noch besser vor dem Eintrag schädlicher Stoffe zu bewahren.
FAQ zur KARL
Aktuelle Informationen zu Grenzwerten, Umsetzungsfristen und rechtlichen Anforderungen finden Sie im offiziellen FAQ-Bereich des Umwelt Bundesamtes (externe Website).
Phosphor – die unsichtbare Gefahr für unsere Flüsse
In Zukunft muss unter anderem Phosphor weitaus stärker als bisher aus dem Abwasser gefiltert werden. Denn er wirkt sich nachteilig auf die Gewässergüte aus. Zu viel davon begünstigt die Eutrophierung von Flüssen und Seen, das Algenwachstum wird beschleunigt, gleichzeitig führt der Sauerstoffmangel zu einem vermehrten Fischsterben - eine schon lange bekannte, aber leider immer noch nicht völlig gebannte Gefahr für die Biodiversität.
Die neuen Grenzwerte sind ambitioniert. Für größere Kläranlagen mit mehr als 150.000 Einwohnerwerten gilt: Das gereinigte Abwasser darf mit maximal 0,5 mg/l Phosphor ins Gewässer eingeleitet werden. Etwas weniger streng sind die Anforderungen für kleinere Kläranlagen zwischen 10.000 und 150.000 Einwohnerwerten: Hier liegen die Grenzwerte bei 0,7 mg/l Phosphor.
„Wir müssen langfristig denken und Wege finden, um die teils massiven Kostensteigerungen zu dämpfen – mit dem Ziel, die Betriebskosten zu senken.“
Dr. Markus Biegel
Leiter technische Abteilung der Veolia Wasser Deutschland GmbH
Abwasser ist nicht gleich Abwasser – die tägliche Herausforderung
„Das Abwasser, das auf den Kläranlagen ankommt und hier rund um die Uhr umweltgerecht gereinigt wird, ist jedes Mal anders beschaffen. Zu jeder Tages- und Jahreszeit. Wenn es gar nicht regnet oder extrem viel. Dennoch müssen wir als Betriebsführer, der die Anlagen im Auftrag der Kommunen betreibt, dafür sorgen, dass behördliche Grenzwerte jederzeit eingehalten werden“, betont Dr. Markus Biegel. Er leitet die technische Abteilung der Veolia Wasser Deutschland GmbH und beschäftigt sich mit seinem Team intensiv mit innovativen Lösungen für den Anlagenbetrieb.
„Um die Grenzwerte für Phosphor zuverlässig einzuhalten“, schildert er, „setzen wir Chemikalien ein. Dabei handelt es sich um spezielles Fällmittel, das die besagten Substanzen im Abwasser bindet und somit dafür sorgt, dass sie über den Ablauf der Kläranlagen nicht ins Gewässer gelangen.“
Bisher ließ sich die Konzentration dieser Stoffe ausschließlich mit einer Abwasserprobe im Labor feststellen – am Ende des Behandlungsprozesses. Ob die Dosierung des Fällmittels tatsächlich angemessen gewesen ist, um die behördlich vorgeschriebenen Grenzwerte einzuhalten oder zu hoch beziehungsweise zu niedrig, blieb bis zuletzt eine Frage, die nicht beantwortet werden konnte. Und: Diese Messungen lieferten auch nur eine Momentaufnahme. Auf Schwankungen in der Beschaffenheit des Abwassers konnte man nicht eingehen. Die Eigentümer und Betreiber kommunaler Kläranlagen müssen also reagieren. Der zunehmende Kostendruck führt bei deutlich herabgesetzten Grenzwerten zwangsläufig dazu, dass Ressourcen noch bewusster als bisher eingesetzt werden müssen.
Wie intelligente Messtechnik Kosten senkt und Gewässer schützt
„Theoretisch“, erläutert Dr. Markus Biegel, „könnte man einfach mehr oder weniger beliebig beziehungsweise auf Erfahrungswerten basierend die Fällmitteldosierung erhöhen, um die gestiegenen Grenzwerte einzuhalten." Doch wohin würde das führen? „Wir müssen langfristig denken und Wege finden, um die teils massiven Kostensteigerungen zu dämpfen – mit dem Ziel, die Betriebskosten zu senken.“ Von daher ergibt es durchaus Sinn, jetzt mit Blick auf KARL und die gestiegenen Anforderungen in moderne Messtechnik zu investieren. Und genau das tut Veolia.
Die digitale technische Lösung von Endress+Hauser funktioniert nicht nur zuverlässig, sie verbessert auch die Betriebssicherheit der abwassertechnischen Anlagen. Die in Waldheim (Sachsen) ansässige Firma entwickelte ein automatisiertes Messverfahren, mit dem sich die Fällmitteldosierung permanent überwachen und bedarfsgerecht sowie äußerst präzise anpassen lässt.
„Wir haben das Verfahren in Colditz getestet und die Technik dort im Sommer 2025 implementiert. In Grimma“, schildert Martin Moisel, Leiter Betrieb Abwasser, „haben wir das Verfahren ebenfalls auf Herz und Nieren geprüft und sind nach Rücksprache mit dem Eigentümer der Kläranlage, dem Versorgungsverband Grimma-Geithain, zu dem Schluss gekommen, auch hier auf den Fortschritt zu setzen und die Prozesse so zu steuern, dass wir die Grenzwerte jederzeit einhalten. Das ist aus unserer Sicht aktiver Gewässerschutz, wie er heute technisch möglich ist.“
Im Januar 2026 wurde hier die Online-Messung für den Phosphorgehalt im Abwasser in allen vier Reaktoren in Betrieb genommen. Damit ist zunächst eine permanente Überwachung möglich. Im Jahresverlauf sollen weitere Schritte folgen.
Echtzeit-Kontrolle: Sicherheit auf Knopfdruck
Dank digitaler Technologien werden die Messdaten in Echtzeit über eine Cloud übertragen. Martin Moisel: „So lässt sich der Handlungsbedarf sofort erkennen und kann direkt auf ein Tablet oder Smartphone übermittelt werden.“ Zusätzlich verfügen die Servicekräfte von Endress+Hauser über einen direkten Fernzugriff auf den Analysator. Doppelte Sicherheit, um das System zu überwachen und potenzielle Störungen schnell beheben zu können. „Wir sind als Betriebsführer also immer auf der sicheren Seite, exakt die Menge an Fällmittel zu dosieren, die nötig ist, um die verschärften Grenzwerte einzuhalten“, unterstreicht Dr. Markus Biegel.
Interview
Vor Ort auf der Anlage mit Tobias Lorenz (Veolia), Martin Moisel (Veolia) und Christoph Czubayko (Endress+Hauser).
Strategischer Mehrwert für kommunale Abwasseranlagen
Veolia sichert die Einhaltung verschärfter Phosphor-Grenzwerte, stabilisiert den Anlagenbetrieb auch bei stark schwankenden Zuläufen und optimiert den Chemikalieneinsatz wirtschaftlich. Durch digitale Echtzeitüberwachung und automatisierte Dosiersteuerung entsteht Transparenz, Reaktionssicherheit und eine übertragbare Lösung für weitere Standorte.
Analyse & Konzeption
- Bewertung der regulatorischen Anforderungen (KARL / verschärfte P-Grenzwerte)
- Prozessanalyse der bestehenden Kläranlagenstruktur
- Entwicklung einer bedarfsgerechten Dosierstrategie zur Phosphor-Elimination
Pilotierung & Validierung
- Praxistest der automatisierten Fällmitteldosierung
- Technische Integration in den laufenden Betrieb
- Bewertung der Wirtschaftlichkeit und Betriebssicherheit
Implementierung & Digitalisierung
- Installation von Online-Phosphormessungen in mehreren Reaktoren
- Cloudbasierte Datenübertragung und mobiles Monitoring
- Integration in bestehende Betriebsabläufe
Betrieb & kontinuierliche Optimierung
- Bedarfsgerechte, automatisierte Fällmitteldosierung
- Reduktion von Chemikalienüberdosierung und Kosten
- Laufende Feinjustierung im Regelbetrieb
Sprechen Sie uns an:
Ihre Kommune steht vor ähnlichen Herausforderungen?
Wir von Veolia unterstützen Sie gern im Anlagenbetrieb und entwickeln maßgeschneiderte Lösungen für einen zukunftssicheren Kläranlagenbetrieb.
Veolia Wasser Deutschland GmbH
Walter-Köhn-Straße 1a, 04356 Leipzig
Tel.: +49 (0) 3 41 42 091-010
VEOLUTIONS Newsletter
Erhalten Sie regelmäßig Informationen rund um nachhaltiges Ressourcenmanagement der Veolia Gruppe – direkt in Ihr Postfach.